Heizungsausfall – was tun, wenn die Heizung im Winter streikt?
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Es ist der Albtraum jedes Bewohners: Ein eiskalter Wintermorgen, und die Heizung bleibt tot. Die Wohnung wird Stunde um Stunde kälter, die Kinder frieren, und der Heizungsnotdienst hat erst in drei Tagen einen Termin. Mit ein paar einfachen Schritten kannst du die meisten Heizungsausfälle aber selbst überbrücken – und in manchen Fällen sogar das Problem beheben, bevor überhaupt ein Handwerker kommt.
Erst mal Ruhe bewahren und prüfen
Bevor du panisch den Notdienst anrufst: In etwa der Hälfte aller Fälle ist der „Heizungsausfall" gar keiner, sondern ein einfaches Bedienungs- oder Einstellungsproblem. Diese Dinge kannst du in fünf Minuten selbst prüfen:
1. Stromversorgung
Jede moderne Heizung braucht Strom – selbst eine Gasheizung funktioniert ohne Stromzufuhr nicht, weil Pumpe, Steuerung und Zündung elektrisch sind.
- Ist die Sicherung rausgesprungen? Schau in den Sicherungskasten
- Hat jemand den Notschalter der Heizung betätigt? Meist ein roter Schalter im Heizungsraum
- FI-Schutzschalter? Ein Blick lohnt sich
2. Gas oder Öl vorhanden?
- Ölheizung: Ist der Tank noch gefüllt? Ein leerer Tank ist die häufigste Ursache im Januar
- Gasheizung: Ist der Gashahn offen? Wurde das Gas abgestellt (Rechnungsprobleme, Sperrung)?
- Pellets: Ist das Vorratslager leer? Ist die Zuführung verstopft?
3. Druck im System
An modernen Gasheizungen siehst du einen kleinen Druckmesser. Liegt der Druck unter 1 Bar, schaltet die Heizung aus Sicherheitsgründen ab. Das passiert gelegentlich, weil durch kleine Leckagen im Laufe der Monate Wasser verloren geht.
Lösung: Wasser über den Füllhahn nachfüllen, bis der Druck bei 1,5 bis 2 Bar liegt. Eine Anleitung für dein Gerät findest du im Handbuch oder auf YouTube. Vorsicht: Nicht überfüllen, sonst öffnet das Sicherheitsventil.
4. Heizkörper entlüften
Gluckern die Heizkörper? Wird nur der obere Teil warm? Dann ist Luft im System. Das Entlüften ist einfach:
- Entlüftungsschlüssel (gibt's im Baumarkt für 2 Euro) in das kleine Vierkant-Ventil an der Seite des Heizkörpers stecken
- Ein Gefäß oder Lappen darunter halten
- Langsam aufdrehen, bis Wasser statt Luft herauskommt
- Zudrehen und zum nächsten Heizkörper gehen – am besten oben im Haus beginnen
- Danach Druck prüfen und gegebenenfalls nachfüllen
Das allein hat schon unzählige vermeintliche Heizungsausfälle behoben.
5. Fehlermeldung am Display
Moderne Heizungen zeigen Fehlercodes an. Notiere dir den Code und schau im Handbuch (oder Google) nach, was er bedeutet. Manche Fehler lassen sich durch einen simplen Reset beheben: Gerät aus, 30 Sekunden warten, wieder an. Wenn der Fehler sofort wieder auftaucht, ist es ein echtes Problem.
Erste Hilfe: Die Wohnung warm halten
Während du aufs Problem schaust oder wartest, musst du die Bewohner vor dem Auskühlen schützen. Das ist wichtiger, als du denkst – besonders bei Kindern, Älteren und bei frostgefährdeten Räumen (wegen der Wasserleitungen).
Sofortmaßnahmen
- Türen zu ungenutzten Räumen schließen – konzentriere die Wärme auf 1–2 Zimmer
- Rollläden runter und Vorhänge zu – spart deutlich Wärme über die Fenster
- Elektrische Heizlüfter oder Radiatoren als Überbrückung. Vorsicht: Nur geprüfte Geräte, nicht dauerhaft unbeaufsichtigt laufen lassen, nicht mehrere an einer Steckdose
- Warme Kleidung in Schichten – Fleece, Wollpullover, Hausschuhe. Kopf, Hände und Füße sind die größten Wärmeverlust-Stellen
- Wärmflaschen und warme Getränke halten dich und die Kinder bei Laune
- Bei größeren Ausfällen: Ein Zimmer heizen (z. B. das Wohnzimmer) und gemeinsam dort schlafen
Unsere eigene Notfallausrüstung
Bei uns zu Hause stehen für genau diese Fälle zwei Heizlüfter und ein Ölradiator im Keller bereit. Die Heizlüfter machen schnell warm, sind aber laut und verbrennen Staub, wenn sie lange laufen. Der Radiator ist das Gegenteil: Er braucht eine Weile, hält die Wärme dann aber angenehm und gleichmäßig – und er läuft lautlos. Gerade Ölradiatoren gibt es auf Kleinanzeigen oft für 10 bis 20 Euro; die Dinger gehen praktisch nie kaputt, und ein zweites Gerät im Keller kostet dich quasi nichts. Wer in einem größeren Haus wohnt, sollte ruhig zwei oder drei davon vorhalten.
Und was bei einem Heizungsausfall gern vergessen wird: warmes Wasser. Wir haben deshalb in unseren Warmwasserspeicher zusätzlich einen elektrischen Heizstab einbauen lassen. Wenn die Wärmepumpe streikt, lege ich einfach einen Schalter um – und wir haben weiter warmes Wasser zum Duschen und Abwaschen. Das kostet zwar Strom, aber im Notfall muss niemand kalt duschen, und das ist gerade mit Kindern Gold wert. So ein Heizstab kostet gar nicht viel – unserer hat rund 120 Euro gekostet – und ist eine der besten Investitionen, die wir am Haus gemacht haben. Mehr dazu: Heizstab im Warmwasserspeicher – Kosten und Einbau.
Persönliche Erfahrung: Kamin als Rückfallebene
Wir haben im Haus einen Kamin, den wir eigentlich nur etwa 20 Mal im Jahr anmachen – dann, wenn es einfach gemütlich sein soll. Aber als Notfalloption ist so ein Kamin extrem beruhigend: Wenn wirklich gar nichts mehr geht, bekomme ich damit das Haus zumindest einigermaßen warm. Und das Beste daran: Ein klassischer Kamin funktioniert auch bei Stromausfall – er braucht keine Pumpe, keine Steuerung, keine Zündung. Holz rein, anzünden, fertig. Gerade wenn mal großflächig der Strom weg ist (und damit auch Gas- und Ölheizungen stehen), ist das ein Riesenvorteil. Die Wärme verteilt sich allerdings schlecht in die anderen Räume – der Raum mit dem Kamin wird warm, der Rest bleibt kühl. Im echten Notfall heißt das: Türen auf zu den angrenzenden Zimmern, alle rücken ins Wohnzimmer zusammen, und man lebt für ein paar Tage auf kleinem Raum. Wer neu baut oder saniert, sollte sich einen wasserführenden Kaminofen ansehen – der heizt bei laufendem Kamin gleich das Heizwasser mit und verteilt die Wärme übers normale Heizsystem.
Was du vermeiden solltest
- Niemals einen Gasherd als Heizung nutzen – Erstickungsgefahr durch CO und CO₂
- Keine Holzkohle oder Grill im Innenraum – gleicher Grund, tödlich
- Keine offenen Kerzen unbeaufsichtigt – Brandgefahr
- Petroleumheizer nur mit ausreichender Belüftung – lieber ganz vermeiden
Warum Campinggrill, Gasofen & Co. wirklich lebensgefährlich sind
Das klingt nach „ja klar, weiß man doch" – und trotzdem sterben in Deutschland jedes Jahr Menschen, weil sie bei einem Heizungsausfall einen Holzkohlegrill, einen Campingkocher oder einen Gasofen in die Wohnung geholt haben. Deshalb hier nochmal deutlich, was dabei passiert:
Beim Verbrennen von Gas, Holzkohle oder Petroleum entsteht Kohlenmonoxid (CO). Dieses Gas ist farblos, geruchlos und geschmacklos – du merkst nicht, dass du es einatmest. CO bindet sich im Blut stärker als Sauerstoff an die roten Blutkörperchen, sodass dein Körper innerlich erstickt, obwohl du scheinbar normal atmest. Die ersten Symptome sind Kopfschmerzen, Müdigkeit und Verwirrtheit – alles Dinge, die man auch mit „mir ist kalt und ich bin müde" erklärt. Man schläft ein und wacht nicht wieder auf. Besonders tückisch: Ein Campinggrill, der nach dem Essen im Zelt „nur noch ein bisschen glüht", hat schon ganze Familien getötet.
Regel für drinnen: Alles, was eine offene Flamme oder Glut hat und kein fest installiertes Abgasrohr nach draußen besitzt, hat in der Wohnung nichts zu suchen. Kein Ausnahme „nur kurz zum Aufwärmen", kein „bei gekipptem Fenster reicht schon". Wenn du wirklich nichts anderes hast, besorge dir einen Elektro-Heizlüfter vom Nachbarn, fahre im Auto zu Verwandten oder geh ins Hotel. Das ist im Zweifel billiger als eine Beerdigung.
Wann muss der Notdienst kommen?
Ruf einen Heizungsnotdienst, wenn:
- Du alle einfachen Prüfungen durchgegangen bist und nichts hilft
- Ein klarer Fehlercode anliegt, der auf einen mechanischen Defekt hindeutet (Zündung, Brenner, Pumpe)
- Gasgeruch auftritt – dann sofort: Fenster auf, keine elektrischen Schalter betätigen, Gashauptabsperrung zu, Haus verlassen, Notdienst vom Handy aus anrufen
- Wasser austritt (Leckage im System)
- Der Schornsteinfeger Mängel festgestellt hat, die kein Laie beheben kann
Tipp: Notiere dir vorab die Telefonnummer eines Heizungsnotdienstes oder deines Heizungsbauers. Im Notfall ist das nicht der Moment, in dem du Google bedienen willst.
Als Mieter: Deine Rechte
Wenn du zur Miete wohnst, ist die Heizung Sache des Vermieters. Er muss dafür sorgen, dass:
- Die Wohnung zwischen Oktober und April beheizt werden kann
- Tagsüber mindestens 20 °C erreicht werden können
- Die Heizung funktioniert
Bei einem Ausfall:
- Sofort dem Vermieter oder der Hausverwaltung Bescheid geben – am besten schriftlich (Mail) mit Datum
- Fristsetzung für die Reparatur – im Winter sind 24 Stunden angemessen
- Notfalls selbst den Notdienst rufen, wenn der Vermieter nicht erreichbar ist und es ein Notfall ist. Die Kosten trägt dann der Vermieter (Beleg aufbewahren!)
- Mietminderung ist bei Totalausfall im Winter möglich, häufig 10–100 % je nach Schwere und Dauer. Im Zweifel anwaltlich beraten lassen
Wichtig: Schriftliche Dokumentation ist der Schlüssel. Fotos vom Thermometer im Raum, Temperaturmessungen, Kommunikation per Mail – das alles hilft später, falls es zum Streit kommt.
Prävention: So vermeidest du den nächsten Ausfall
Die meisten Heizungsausfälle kündigen sich an. Wer auf die Zeichen achtet, erspart sich böse Überraschungen:
- Jährliche Wartung durch den Fachbetrieb – spätestens im Herbst vor der Heizperiode. Kostet 100–200 Euro und findet die meisten Probleme vor dem Ausfall
- Druck regelmäßig prüfen – einmal im Monat reicht
- Heizkörper einmal pro Jahr entlüften, besonders nach dem Sommer
- Rechtzeitig Öl/Pellets bestellen – nicht warten, bis der Tank leer ist. Im Dezember wird's eng
- Fehlercodes dokumentieren, auch wenn sie sich von selbst zurücksetzen. Das hilft bei wiederkehrenden Problemen
Und generell: Eine gut gedämmte Wohnung (siehe die richtige Dämmung für dein Dach) übersteht einen kurzen Heizungsausfall deutlich besser als eine schlecht gedämmte. Die Wärme bleibt einfach länger drin.
Fazit
Ein Heizungsausfall ist unangenehm, aber selten eine Katastrophe. Mit ein paar einfachen Prüfungen – Strom, Druck, entlüften, Fehlercode – behebst du die Hälfte aller Probleme selbst. Für den Rest hilft ein warm gekleideter Überbrückungsplan, bis der Notdienst kommt. Und wer die jährliche Wartung nicht vergisst, reduziert das Risiko überhaupt. Ergänzend: Auch im Winter sparsam heizen – denn wer seine Anlage versteht und pflegt, hat seltener Probleme.